Designforschung im Gesundheitswesen

Design Research in Healthcare

Update: 2016-01-27 / 6am

 

Keynotes

Georg F. Bauer: Die Gestaltung der Gesundheitforschung aus der Perspektive der öffentlichen Gesundheitsversorgung

Bei der Gestaltung von Gesundheitsforschung müssen aktuelle Entwicklungen und Tendenzen unserer Gesellschaft und des Forschungsfeldes selbst berücksichtigt werden. Dazu gehören u.a. Trends wie die Individualisierung unserer Lebensformen und die Personalisierung der Medizin. Diese Trends kontrastieren mit dem konformen gesellschaftlichen Druck fit und schön zu sein. Oder mit der Entwicklung des Gesundheitswesens als schnell wachsendem Markt, der zugleich von einer wachsenden gesellschaftlichen Ungleichheit begleitet wird. Solche Trends erfordern sowohl die Klärung der Forschungsgegenstandes – Krankheit vs. Gesundheit – als auch der übergeordneten Ziele – wie zum Beispiel die Verteilgerechtigkeit. Auf dieser Grundlage können effektive und partizipative Strategien für eine zukünftige Gesundheitsforschungen ausgewählt werden.

Designing health (care) research - a public health perspective

In designing health (care) research, current developments in our societies and within this research field need to be considered. These include trends towards individualization of our lives and personalizing medicine – contrasted by a uniform societal pressure for fitness and beauty. Or the development of health care as a fast growing market accompanied by increasing inequalities in health. Such trends require clarification of the object of research – disease vs. health – as well as of the overarching goal – for example health equity. Based on these clarifications, effective, participatory strategies for future health (care) research can be selected.

 

Alastair Macdonald: Design in skeptischem Territorium verhandeln: Herausforderungen im Gesundheitswesen

Aktuelle Co-Design-Initiativen im Gesundheitswesen belegen, dass Innovationen und Verbesserungen von Gesundheitsdiensten auch ohne Designer umgesetzt werden können. Im Gegenzug hat Design Schwierigkeiten damit, ein nachhaltiges Programm in einem Sektor zu entwickeln, in dem die randomisierte kontrollierte Studie immer noch als Goldstandard betrachtet wird. Designs potentieller Beitrag wird damit problematisiert. Macdonald untersucht in diesem Spannungsfeld die Herausforderungen für das Design, dessen Legitimation und seinen Beitrag im Gesundheitssektor, insbesondere in Bezug auf die demographischen Entwicklungen und die Spannungen zwischen individuellen Bedürfnissen, sozialen Herausforderungen und technologischen Lösungen.

Negotiating design in sceptical territory: challenges in healthcare

Recent healthcare-based co-design initiatives demonstrate successful health service innovation and improvement apparently without the need for Designers. In contrast, Design finds difficulty in developing a sustainable programme within a sector where the RCT (Randomised Controlled Trial) is regarded as the gold standard, problematizing Design’s potential contribution. Macdonald explores Design’s challenges, legitimacy and contribution in the healthcare sector, particularly with reference to the ageing demographic, and tensions between individual need, social challenges and technological solutions.

 

Nutshell presentations

Mark Nazemi: Immersive Sound und Virtual Reality Techniken zur Bewältigung von Schmerzen und Angst

Chronischer Schmerz beeinträchtigt das physische und psychische Wohlbefinden von Schmerzpatienten. Der dadurch entstehende Verlust der Produktivität, von Gesundheitskosten und der Verlust an Steuereinnahmen läßt sich mit mehreren Milliarden Dollar beziffern. Darüber hinaus müssen sich viele Patienten auf teure Medikamente verlassen, die zu ihren bereits bestehenden Symptomen noch unangenehme Nebenwirkungen hinzufügen. Das vorgestellte Forschungsprojekt bietet einen alternativen nicht-invasiven Ansatz um dem Schmerz und der Angst entgegenzuwirken: In Form von maßgeschneiderten dreidimensionalen immersiven Audioaufnahmen wird ein spezifischer Prozess des Hörens geschaffen, der durch eine Wahrnehmungsänderung der Umwelt eine Entlastung (Reduktion von Schmerzen) für den Hörer ermöglicht. Weiterhin wird auch diskutiert, wie diese Form der Virtuel Reality-Therapie für die Schmerztherapie und das Achtsamkeitstraining eingesetzt werden kann.

Immersive Sound Techniques + VR for Pain & Anxiety Management

Chronic pain adversely affects pain sufferers' physical and psychological well-being, it also costs society billions of dollars in lost productivity, health care expenditures, disability compensation, and tax revenues. In addition, many patients have to rely on expensive medication that has major side effects and adds to their existing symptoms. This research provides an alternative non-invasive approach using customized 3-D immersive audio recordings to manage pain and anxiety. This highly specific listening process creates a perceptual change of environment providing relief for the listener. In addition, we will also discuss how VR therapy is used for pain management and mindfulness training.

 

Mathias Wellig: Notfall App

Diese Präsentation dreht sich um die Herausforderungen, die entstehen, wenn Nutzer an einem Projekt beteiligt sind und partizipieren. Das Projekt selbst beschäftigt sich damit, wie Apps bei Menschen in Notfallstituationen helfen können.

Emergency App

This presentation will be about challenges in getting users to participate and engage in a project that defines its relevance by being helpful when people are in an emergency situation.

 

Ute Ziegler: Design und Designforschung als Gesundheitsressource – Dargestellt an einem Projekt in einer Psychiatrischen Klinik

Ein Forschungsprojekt in einer Psychiatrischen Klinik zeigt, wie Design das Wohlbefinden und den Stress kranker Menschen beeinflussen kann. Zusammen mit Patienten, Pflegenden, Therapeuten und Leuten aus der Verwaltung wurden in partizipativen Prozessen Prototypen entwickelt, gebaut und getestet.

Design and Design Research as a Health Resource – Illustrated through a Project in a Psychiatric Clinic

This research project in a psychiatric clinic in Switzerland shows how design-interventions can affect the physical and psychological well being of patients overall and, in addition, can specifically reduce stress of traumatized patients. In the context of the clinic, prototypes were developed in cooperation with patients, nurses, therapists, and representatives of administration. After the implementation the prototypes were tested in patient rooms for several months.

 

Hans Kaspar Hugentobler: Designwissenschaft für die Optimierung von Patientenpfaden und Autrittsmanagement: Eine Studie aus einer Schweizerischen Frauenklinik.

Dieses Designforschungsprojekt zielt auf die Optimierung der Ergebnisse des Austrittsmanagements mittels verbesserter Patientenpfade. Es nimmt Bezug auf Forschung in den Organisationswissenschaften, die eine Lücke in Praxisrelevanz aufzeigt, die mittels präskriptiver Designforschung kompensiert werden kann. Mit diesem Fokus untersucht das Projekt, wie das Verständnis der Erfahrungen der Patienten auf ihrem Weg Evidenz im Sinne umsetzbaren Wissens generiert, wie dieses Wissen repräsentiert und mit demjenigen der beteiligten Fachleute des Krankenhauses integriert werden kann. Zu diesem Zweck führte das Forschungsteam eine ethnographische Untersuchung durch, die verschiedene Themen entlang der Patientenwege aufdeckte und ausserdem Hinweise zu anderen existierenden und potenziell möglichen Lösungen gab. Ein Co-Design-Workshop mit Krankenhauspersonal und Patienten ergab zusätzliche Designvorschläge hinischtlich eines zu potenziell höherer Patientenzufriedenheit und Qualität führenden Patientenpfads. Die Themen weisen auf Optimierungsmöglichkeiten im grösseren systemischen Kontext des Patientenpfades hin. Die Erkenntnisse aus dem Co-Design-Workshops zeigen, dass lokale Mitarbeitende befähigt werden können, zu interdisziplinären, ideengenerierenden Aktivitäten beizutragen. Die Forschung trägt zu einem Verständnis von designforschungsbasierter Evidenzgeneration im Krankenhauskontext bei.

Design Science for the Optimization of Patient Pathways and Discharge Management: a Study from a Swiss Gynecological Clinic

This design research project aimed at optimizing discharge management outcomes by means of improved patient pathways. Referring to organizational science research that reveals a relevance gap for practice that could be met by prescriptive design research applied as a mode of organizational research. The project investigates how an understanding of patient journeys yields evidence by means of actionable knowledge, and how it can be represented and integrated with that of the involved hospital professionals. The research team conducted in-depth ethnographic research, resulting in various issues along the patient journey, including associated current and potential solutions and new solution ideas. A co-design workshop with hospital staff and patients revealed additional design propositions towards an optimized version of a patient process with regard to satisfaction and quality. The issues point to areas for optimization in the larger systemic context defined by the patient journey. The findings from the co-design workshop indicate that local staff can indeed be enabled to contribute to cross-disciplinary ideation activities. The research contributes to an understanding of design-research-based evidence generation in the hospital context.

 

Nicolò Luppino: Design und Automation im Gesundheitswesen – Patientensicherheit und Erfahrung

Der Einsatz von Automatisierungstechniken im Bereich des Gesundheitswesens bringt für die medizinische Versorgung viele Vorteile mit sich. Zukunftsweisende Technologien, die in komplexe Zusammenhängen eingebunden sind, offenbaren allerdings auch wichtige Fragestellungen, die im Zusammenhang mit der Patientensicherheit und der Qualität der Gesundheitsversorgung stehen. Aus diesen Gründen ist die Disziplin Design – dank ihrer speziellen Tools und Methoden, die im Zusammenhang mit dem User-Centered Design-Ansatz stehen –, zunehmend als ein grundlegender Akteur bei den Forschungs- und Entwicklungsprozessen von high-tech medizinischen Produkten und Systemen anerkannt.

Design and Automation in Healthcare - Patient Safety and Experience

The use of automation technologies in the field of healthcare, while it brings many advantages for the medical activity, it is also raising new urgent challenges to be faced. Indeed, these cutting-edge technologies within such a complex context reveal important issues related to patient safety and the quality of care experience. For these reasons the design discipline, thanks to its specific tools and methods related to the user-centered design approach, is increasingly recognized as a fundamental actor in the research and development process of high-tech medical products and systems.

 

Dr. phil. M.Sc. theol. Regula Gasser: Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Begleitung von Krebspatienten im Akutspital

Seit drei Jahren wird in den Akutspitälern über sogenannte Fallpauschalen oder DRG (Diagnosis rela-ted groups) abgerechnet. Die kürzeren Aufenthaltsdauern im Spital und häufigeren Verlegungen in andere Institutionen haben vor allem für schwer- und chronisch kranke Patienten einschneidende Konsequenzen. Das Referat gibt einen kurzen Einblick in das Nationalfonds-Forschungsprojekt „Spiri-tual Care“ an der Universität Zürich, das sich mit der Verbesserung der interprofessionellen Zusam-menarbeit verschiedener Fachpersonen in der Behandlung und Begleitung von Krebspatienten beschäftigt.

Its three years now that hospitals use “Diagnosis Related Groups” (DRG) to calculate costs. The shortened duration of a patient’s stay at a hospital and the more frequent transfer to other institu-tions take their toll on critically and chronically ill patients. This presentation gives a short insight into the research project “Spiritual Care” of the University of Zurich funded by the Swiss National Fund. It deals with the improvement of the inter-professional collaboration of different professionals during treatment and care of cancer patients.


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